Grüner Donnerstag im August: Sabine Tastel zu Besuch bei bb22

Grafik: Stefan Rettich, 2020

Sabine Tastel, Professorin für Stadt- und Freiraumgestaltung an der TH Köln, hat bb22 zum Grünen Donnerstag einen Besuch abgestattet. Es ist nicht ihr erstes Mal in der Niddastr. 84: Vor einiger Zeit hat sie selbst bei bb22 gearbeitet. Umso spannender war es, von einigen ihrer weiteren Stationen zu erfahren.

Bei ihrem Vortrag ging es um die Kernfrage, wie der Versiegelung Einhalt geboten werden kann. Bisher wird das Ziel, in Deutschland nur noch max. 30 ha pro Tag zu versiegeln, weit verfehlt. Die einzige Möglichkeit, den Flächenfraß zu stoppen, sei der Fokus auf die Innenentwicklung von Städten. Sabine Tastel hat Forschungsprojekte vorgestellt, an denen deutlich wird, wie viel Flächenpotenzial in den Städten liegt.

In Die obsolete Stadt (Rettich/ Tastel 2025) werden drei Megatrends herausgestellt, die jeweils eine Reihe von Typologien in die Obsoleszenz treiben: Der Klimawandel und die Verkehrswende, die die Verkehrsinfrastrukturen betreffen, die Digitalisierung, die die Handels- und Arbeitswelt nachhaltig verändert, und der Wandel der Religiosität, der Kirchen und Friedhöfe langfristig ihrer Nutzung beraubt. In einem Nachfolgeprojekt geht es dann um die Umnutzung von Objekten. Vermeintliche Wegwerfarchitektur enthält Ressourcen, die noch genutzt werden können. Besonders an den vorgestellten Projekten ist, dass sie ihre ursprüngliche Struktur und Nutzung nicht verleugnen. So entsteht eine collagenartige Stadt, bei der die Stationen, die ein Gebäude durchläuft, ablesbar bleiben.

Durch die Forschung wird sichtbar, dass Städte bestimmte Orte aufweisen, an denen sich obsolete Strukturen häufen. Bei diesen Orten handelt es sich um komplexe Perspektivräume, die laut Sabine Tastel künftig die Haupteinsatzgebiete für Stadtplaner*innen sein werden. Die vorhandenen Strukturen und Ressourcen in Form von Fläche und Material sind die Zukunft auf dem Weg hin zu einer klimaneutralen und gemeinwohlorientierten Stadt.