Haus der Demokratie

Kategorie: Ideenwettbewerb
Ort: Frankfurt am Main
AuftraggeberIn:  Stadt Frankfurt / Demokratie Inkubator
Zeitraum: 2025
verantwortlicher Partner: Felix Nowak
Team: Lucia Hengst, Isolde Höfle, Natascha Krist, Louise Siebenhaar, Emelie Trenkler
Kooperation: el:ch Landschaftsarchitekten, Thea Hoffmann-Axthelm

Um die Paulskirche herum befinden sich eine Reihe von Barrieren zum übrigen Stadtraum und damit auch zu den Menschen, die die Paulskirche erleben sollen: Im Norden grenzt das Areal zum Beispiel ohne viel Abstand die stark befahrene Berliner Straße, nach Osten befindet sich schrankenartig Gastronomie am Rand des Paulplatzes.

Aus dem Bestand heraus wird eine neue städtebauliche Situation geschaffen: Damit das gesamte Gebiet als Einheit wirkt, erhält das Gebäude im Westen, die alte Kämmerei, eine neue Nutzung und wird der Paulskirche unterstützend an die Seite gestellt: Es entsteht dort ein Besucher:innenzentrum, das die Paulskirche als zentrales Symbol der Demokratie Geschichte flankiert und in einen lebendigen Diskurs einbezieht.

Das bestehende Raster am Boden wird bis an die Raumkanten geführt und vergrößert den Einzugsbereich der Paulskirche um die Straßenräume rundherum. An den gegenüberliegenden Fassaden entstehen Sommerterrassen, die einen Blick auf das Ensemble aus verschiedenen Perspektiven ermöglichen.

Das Offene Haus für Demokratie schafft einen zentralen Ort für Beteiligung an der Gestaltung unserer Gesellschaft. Mit dem dort integrierten Demokratie-Inkubator wird ein Ort des qualifizierten Demokratie-Diskurses etabliert. Das gesamte Areal soll belebt werden und der Paulskirche so wieder den Platz einräumen, den sie als eines der wichtigsten Denkmäler für Demokratiegeschichte in der Bundesrepublik benötigt, um Geschichte und Werte zu vermitteln.

In der Blickachse zum Kornmarkt zeigt sich eine unterseitig verspiegelte Dachterrasse, die die spannende Aussicht im Kontext von Rathaus und Skyline weit in den Stadtraum zurückwirft und das authentische Denkmal von einem begehbaren Dachgarten aus erlebbar werden lässt. Das begrünte Dach und die Aussichtsplattform werden zur Attraktion und Teil einer positiven Demokratieerfahrung.

Aus dem bestehenden Bodenbelag wird ein offenes Raster bis an die Raumkanten weitergeführt und so der Paulsplatz zur städtischen Bühne erweitert. Der durchgehende Belag entschleunigt den MIV, der über Kantensteine sicher über den Platz geleitet wird.

Das Raster bildet unter anderem bepflanzte Pixel, an denen entlang Regenwasser geleitet wird, was dann wiederum in dezentralen Zisternen landet. Die Bestands- und Neupflanzungen spenden Schatten und über eine barrierefreie Gestaltung entsteht eine inklusive, gemeinschaftlich nutzbare Fläche. Der Platanenhain bleibt in seiner Rasterstruktur erhalten. Einzelne Bäume weichen für neue Wege und Sichtachsen – andere wachsen frei und werden zu einer Metapher des individuellen Entfaltungspotenzials innerhalb demokratischer Systeme. Im Süden verdichten sich begrünte Felder zu einem schattigen Aufenthaltsbereich. Nach Norden hin öffnet sich das Raster als durchlässige Zone für Kommunikation und Bewegung.

Die rezeptive Landschaft bietet dem Laufpublikum subtile Gelegenheiten, gewohnte Verhaltensmuster zu verlassen und sich auf neue Formen einer demokratischen Praxis einzulassen. Interaktive Möbel und digitale Spielelemente hinterlassen als Tisch, Bühne oder Tribüne im Alltag Spuren spontaner Picknicks unter Platanen oder Bilder als Augmented Reality, Social Media oder Theaterformat. Das Lichtkonzept ist dezent: Mastleuchten markieren Wege, nachleuchtende Pixel akzentuieren Nutzungsschwerpunkte.

Das interaktive Besucher:innenzentrum ist als Rundgang um die zwei überdachten Innenhöfe organisiert und führt spiralförmig über eine Doppelhelix aus zwei einläufigen Treppen auf das auskragende Dach. Beim Aufgang passieren die Besucher:innen die Ausstellung, die in den Gängen zu den Höfen platziert ist.

Mit dem Ausblick auf Paulskirche, Rathaus und die Frankfurter Innenstadt werden visuelle Bezüge zu politischen und wirtschaftlichen Machtzentren hergestellt. Die Sichtachsen vom Kornmarkt und dem ehemaligen Bundesrechnungshof wird durch die Auskragung nicht infrage gestellt, sondern betont sie und gibt den Besucher:innen die Möglichkeit, auf der Aussichtsplattform inmitten dieses historisch bedeutsamen Ensembles zu stehen. Die Doppelhelix erzeugt zwei unabhängige Wege, die spiralförmig  bis in die oberste Etage führen, funktionale Beziehungen zwischen Besucherzentrum und Inkubator ermöglichen und alle Ebenen sicher entfluchtet.

Der Barfüßlerplatz im Norden der Kämmerei wird zum Skulpturengarten. Er steht in direkter Verbindung zum Hof des Inkubators, in dem die interaktiven Exponate wie zum Beispiel digitale Litfaßsäulen vorbereitet werden. Auf spielerische Art und Weise können alle hier an neuen Projekten teilhaben. Die Walter-Kolb-Eiche ist Teil dieses Gartens und erhält dadurch mehr Bedeutung als ihr bis jetzt auf dem Parkplatz zukommt.

Die Paulskirche ist historisch ein aktiver Ort des Geschehens! Bereits mehrfach haben sich Bürger hier mit Leib und Seele für eine demokratische Neuordnung eingesetzt. Im Plenarsaal sind Besucher:innen eingeladen, sich als zentrale Akteur:innen an den Debatten zu beteiligen. In einem authentischen Kontext wird das Engagement der Bürger:innen und das produktive Aushandeln unterschiedlicher Positionen für alle Beteiligte sichtbar. Der Demokratie Inkubator nutzt die offene Stunde im Plenarsaal, um Besucher:innen aus der ganzen Welt Gelegenheiten anzubieten, sich an den aktuellen Debatten qualifiziert zu beteiligen. Die Wandelhalle bietet Raum für Ausstellungen und mediale Reflexion. Auch im medialen Raum unterstützt der Demokratie – Inkubator den Aufbau qualifizierter Debatten und belastbarer Quellen mit geprüften Informationen. Im direkten Umfeld des Ensembles werden diese als Adventure Game, Theater App oder Echtzeit Screen sichtbar.